An jedem verdammten Sonntag – Geschichten aus der Kreisliga

Fußball ist das, was uns alle eint. Fußball ist das, was uns jeden Sonntag auf den Sportplatz treibt. Und Fußball ist auch das, was wir alle so oft verdammen. Das hier ist die Geschichte aus dem Leben eines Kreisligisten. An jedem verdammten Sonntag…

In unseren Kindestagen haben wir große Träume gehabt. Träume, wie das Leben in der Zukunft mal aussieht. Die Zukunft als Rennfahrer, Astronaut oder Feuerwehrmann. Und fast jeder hat mal geträumt, wie es sich wohl als Fußballprofi leben mag? Der eine, mit Talent gesegnet, vielleicht sogar länger als andere. Doch der Weg zum Profi ist lang und beschwerlich, die wenigsten schaffen ihn.

Doch der Fußball begeleitet uns Deutsche meist ein Leben lang. Der Weg führt in den lokalen Verein, in den Amateursport. An die Basis von Allem, was uns fast schon täglich auf Hochglanz poliert serviert wird. Der Amateurfußball ist eines der größten Hobbys im Land.

Dieses Gefühl, wenn der Ball in den Maschen einschlägt…

Keine andere Sportart bringt so viele Aktive mit, keine andere Sportart kann auf so viele Vereine blicken. Und vermutlich keine andere Sportart wird von so vielen Sinnkrisen begleitet.

Du lebst dein Leben für den Ball. Für das Glücksgefühl, wenn der Ball deinen Fuß verlässt und in den Maschen des Tores einschlägt. Dieser Moment kann so viele positive Energie freisetzen wie kaum etwas anderes. Doch zwangsläufig kennst du auch andere Seiten.

Die Woche ist durchgetaktet mit einem Mix aus Arbeit, Verpflichtungen und Freizeit. Die Freizeit führt uns auf den Sportplatz. Zwei Mal in der Woche zum Training und am Wochenende zu den Spielen. Die Übungseinheiten werden von den Kreisliga-Klopps teilweise liebenswürdig und detailverliebt vorbereitet.

Nur um dann doch zu merken, dass der geneigte C-Liga-Spieler doch nicht weiß, in welchem Moment er wie zum Gegner stehen muss oder welcher Ball in der Spieleröffnng der Beste ist. Generell ist der Ball eher selten der Freund eines Kreisligaspielers. Das reine Passen, Annehmen und Mitnehmen des Spielgeräts bringt uns doch mehr ins Schwitzen, als wir das zugeben wollen.

Analysen

In bierseeligen Runden wird nach dem Training noch knallhart analysiert. Das letzte Spiel, das Training und der kommende Gegner. Zur Mitte der Woche überwiegt die Freude auf das Wochenende, die Lust auf’s Spiel ist da. Und mit ihr auch das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können. Doch dazu später mehr.

In unserem völlig fiktiven Beispiel ist am Freitag das Abschlusstraining vor dem Spiel. Wobei sich Abschlusstraining schon wieder zu professionell anhört. Im Vorfeld des Trainings kümmert sich die Mannschaft schon einmal darum, dass die Sauna geht. Weil das gesund hält und gut tut. Sagt man sich jedenfalls. Ohne dabei zu bedenken, dass die diversen Liter Bier vor, während und nach des Saunierens genau das Gegenteil bewirken.

Das Training an sich unterscheidet sich dann nicht von jedem anderen auch. Im Fünf gegen Zwei wird erst einmal ein bisschen mit der wenig vorhanden Technik jongliert. Mit dabei sind oft allerlei Claqueure, die den Spielern auch wirklich das Gefühl geben, sie könnten Fußball spielen. Aber auch dazu später mehr.

Der Alkohol…

Nach dem Training und dem Saunagang beginnt das Schauspiel eines jeden Wochenendes. Das Vereinsheim ist ein Hort der Traditionen. Damals wie heute wurde und wird gewürfelt, werden Karten geknüppelt und wird Bier getrunken. Dieses Getränk deutscher Braukunst schießt die trockenen Kehlen der zumeist im Alter zwischen 20 und 35 befindlichen Männer herunter. Viel zu viel als es am Ende Genuss ist.

Irgendwann will auch der letzte Mensch ohne schon arg gequälte Leber nicht mehr den Wirt spielen. Also muss weitergezogen werden. In die einzige Kneipe der Stadt, in der es kein Problem ist, sich im besten Polyester des Vereins zu präsentieren. Die schon arg gequälten Lebern dieser Männer werden nun auf die unanständigste Art und Weise Belastungproben ausgesetzt, die jenseits der Grenzen der Vorstellungskraft liegen. Die jungen Männer bezahlen dafür am Morgen danach.

Es ist Samstag und aus 28-Jährigen werden dann auch mal 78-Jährige. Bis zum Start der Bundesliga-Konferenz um 15.30 Uhr ist sich aber zumeist aus dem Bett geschält und der erste Blick auf’s Smartphone ist auch bereits erledigt. Keine unliebsamen Bekanntschaften, das Gesicht ist auch noch ganz. Nur der Geruch ist noch ausbaufähig. Die Dusche ist dann auch der erste und zumeist letzte große Akt des Tages. Doch auch kleine Erfolge sollen ja gefeiert werden.

Der Kader steht

Zeitsprung auf den Samstagabend. Die Kader stehen, der Spieltag kann kommen. Schnell wird in diversen Whatsapp-Chats noch bestätigt, dass man sich am Wochenende bisher extrem zurückgehalten hat und auf jeden Fall fit zum Spiel erschienen wird.

Das sieht freilig Sonntags häufig nicht so aus. Aber machen wir das beste aus der Sache. Motiviert geht es in die Kabine. Die Ansprachen werden gehalten, es wird sich bei ein paar äußert flachen Witzen umgezogen. Die Laune so kurz vor dem Höhepunkt des Wochenendes ist gut. Und wenn unter der Woche nur acht Leute beim Training waren, die Vorbereitung lief natürlich perfekt und war „intensiv“. Also herrscht hier in der Kabine nun die Überzeugung, jetzt raus auf das Feld zu gehen und drei Punkte einzufahren.

Der Trainer an der Seitenlinie fühlt sich gut vorbereitet und denkt, seine Mannen bestens eingestellt zu haben. Und wird nach 45 Sekunden bitterlich aus diesem Tagtraum herausgerissen. Denn irgendwie jubelt gerade der Gegner und das sollte doch gar nicht so sein. Und doch steht es 0:1.

Und irgendwann 0:2 oder gar noch höher. Das Spiel geht verloren. Die treuen Anhänger, die noch am Freitag beim Training in Arien des Kompliments ausbrachen, sie sind nun deine schärfsten Kritiker. „Das ist doch der gleiche Scheiß wie letztes Jahr!“ „Guck dir den Zehner an, der kann gar nix!“ „Wir früher haben wenigstens gekämpft“

Sätze wie sie jeder von uns kennt. Egal ob Trainer oder Spieler, du willst mit deinem hochroten Gesicht erst einmal Luft holen und in die Kabine. Doch auf dem Weg dahin wirst du schon von den Leuten umgarnt, die sowieso alles besser wissen und alles anders gemacht hätten.

Gerne würdest du nun erklären, warum du welche Entscheidung getroffen hast. Doch wo in dieser famosen Welt der Bundesliga hunderte von Journalisten auf dich warten und dir ihre Blöcke, Aufnahmegeräte und was Gott weiß unter die Lippen heften, wartet in der Kreisliga maximal der Schreiberling des örtlchen Lokalblatts auf dich. In den meisten Fällen aber nicht einmal das. Diese Welt des Fußballs ist gar nicht so schön. Das ist alles gar nicht so toll. Denkst du dir so in dich hinein. Natürlich schon wieder mit einem Bier bewaffnet.

Und bewegen wir eigentlich die, die uns bei diesem Schauspiel jeden Sonntag zugucken? Nein, die Spiele sind schnell wieder in Vergessenheit geraten. Mit dem Verlassen der Anlage geht das Leben weiter. In seinen geregelten Bahnen.

Jeder verdammte Sonntag

An jedem verdammten Sonntag, wirrt es dir durch den Kopf. An jedem verdammten Sonntag könntest du so viele schöne Dinge machen. Mit Leuten denen du was wert bist. Aber immer wieder führt dich der Weg auf den Sportplatz. Warum? Der Buchautor Frank Goosen hat das in einem seiner Werke ganz einfach und aus der Erfahrung von elendig langen Jahren als Fußballfan so formuliert: „Warum gehst du zum Fußball? Ja, weil Samstag ist!“ Oder in unserem Falle eben Sonntag.

An jedem verdammten Sonntag kommen wir nicht von dieser Sucht los. Die Jagd nach einem Ball. Eigentlich stumpf, oder? Aber doch unfassbar geil…

Ach und wer darauf gewartet hat: Die Erste hat 0:2 bei Preußen II verloren, die Zweite verlor am Wochenende 2:3 beim MSV Dortmund II, die Dritte gewann das Heimspiel gegen Huckarde mit 3:2 und die Damen haben mit 1:6 gegen ÖSG Viktoria verloren.

Bis nächsten Sonntag!