Reportage: Das war das erste Kennenlern-Training der Damen

Spaß beim Techniktraining. Foto: Dellbrügge

Comeback in der Geist! Nach einigen Jahren ohne Frauenfußball bauen wir diese Abteilung ab sofort wieder auf. Am Mittwoch haben sich die Damen und Trainer Wolfgang Rinke zu einem ersten Kennenlern-Training auf dem Sportplatz getroffen. Florian Dellbrügge war dabei und hat den Tag schriftlich festgehalten.

Es ist ein Mittwoch, an dem ein Stück neue Geschichte auf dem Sportplatz des BV Lünen beginnt. Hier in der Tristesse des Herrenfußballs – die erste Mannschaft steht nur ein Jahr nach dem Aufstieg in die A-Liga am Tabellenende und muss demnächst den Gang in die B-Liga antreten – sollen die sportbegeisterten Frauen von in- und außerhalb Lünens wieder eine Heimat finden.

Damenfußball hat beim BV Lünen Vergangenheit. Lange Zeit verfügten „die Geister“ über Mädchenmannschaften und spielten mit den Damen zeitweise sogar in der Bezirksliga. Goldene Zukunft braucht Vergangenheit, so wirbt aktuell ja der große BVB aus Dortmund.

Wolfgang Rinke wieder Trainer

Auf den BV05 gemünzt ist ein Teil dieser Vergangenheit Wolfgang Rinke. Er war schon damals Trainer der Frauen in der Geist. Und er wagt sich jetzt an den Neuaufbau einer ganzen Abteilung. Einige seiner ehemaligen Spielerinnen hat er für die Idee begeistern können. Aber auch neue Spielerinnen gefunden, die sich einfach mal am Fußball versuchen möchten.

Aber zurück zum Mittwoch. Über eine Stunde vor dem Trainingsbeginn betreten die ersten beiden Spielerinnen die Sportanlage in der Geist. Und haben dabei ein Lächeln im Gesicht. Die Freude auf das was da kommt, sie ist spürbar an diesem Tag.

Fachgespräche…

Nach und nach sammeln sich die Spielerinnen und auch der Trainer ist irgendwann da. Am lang aufgestellten Tisch der Tribüne, so nennt man den Unterstand auf einer Längsseite des Spielfeldes liebevoll, laufen Fachgespräche über den Wechsel von Mats Hummels zum FC Bayern München. Einhellige Meinung: „Muss das denn sein, Mats?“

Um 18.45 Uhr, inzwischen ist eine Mannschaftsstärke an Spielerinnen anwesend, der finale Blick zur Uhr. „Mädels, macht euch jetzt fertig“, sagt Coach Rinke und schreitet zur Tat. Zusammen mit einem Helfer und einigen Hütchen und Stangen unter dem Arm marschiert er schnellen Schrittes auf den Sportplatz.

Los geht’s mit dem „Kreis“

Dort werden die Materialien erst abgeladen und dann die erste Trainingseinheit aufgebaut. Weil dieser Mittwoch ein erstes sportliches Kennenlernen ist, soll der Fokus erst einmal auf den grundlegenden Dingen liegen. Das hat Rinke schon im Vorgespräch angekündigt.

Als die Uhr auf 19.00 steht erscheint die Trainingsgruppe extrem pünktlich auf dem Platz. Wer schon einmal in den Tiefen des Amateurfußballs aktiv war, dem kam der Beginn des Trainings dann durchaus bekannt vor.

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Coach Rinke beobachtete seine Spielerinnen schon sehr genau. Foto: Dellbrügge

Mit dem „Kreis“ geht es los. In der Bundesliga wird zu dieser Form des Warm-Ups hochtrabend „Fünf gegen Zwei“ gesagt. Doch der Inhalt ist der Gleiche. Zwei Spielerinnen sind in der Mitte und wollen die Passstafette der in einem Kreis um sie herum platzierten (mehr als fünf) Damen unterbrechen.

Blicke auf den Ball

Der Trainer lässt seine Aktiven für 15 Minuten mehr oder weniger in Ruhe, obgleich die Blicke immer auf den Ball fixiert sind. Nach dieser Phase steht ein leichtes Warmlaufen mit anschließendem Dehnen auf dem Programm.

Weiter geht es mit kurzen Täuschungs- und Sprintübungen.

Hier steht ein erfahrener Coach auf dem Platz. Das merkt man während seiner kurzen, aber stets zielgerichteten Ansagen während der Einheit.

Technik-Training

Dann endlich kommen die ballbasierten Übungen dazu. Hier trennt sich dann auch das Niveau ein bisschen. In einer ersten Technik-Übung lässt sich recht gut beobachten, welche der anwesenden Damen schon häufiger gekickt hat und wo der Ball vielleicht eher noch ein fremdes Objekt ist, mit dem man erst einmal warm werden muss.

Spaß beim Techniktraining. Foto: Dellbrügge

Spaß beim Techniktraining. Foto: Dellbrügge

Doch ausnahmslos jede der Spielerinnen ist an diesem Mittwoch mit vollem Einsatz dabei. Belohnt wird das auch im Torschusstraining danach.

Spiel als Highlight

Dieses wird zwar noch ohne feste Torhüterin absolviert, was an der Qualität der Schüsse aber nichts ändert. Hier gibt es durchaus das ein oder andere Schmankerl zu beobachten.

Nach Abschluss dieser Phase des Trainings kommt es zum Highlight einer Kreisliga-Woche: Das Spielchen.

Runde Zwei am Dienstag

Auch hier achtet der sehr engagierte Rinke durchaus schon auf Feinheiten. „Spielt einen ruhigen Ball, baut von hinten herum auf“, hört man es über die Anlage hallen. Und die Spielerinnen versuchen sich daran zu halten. Nehmen auch, durchaus dankbar, mal Tempo aus dem Spiel. Welches nach gut 25 Minuten ein Ende findet.

Die Frauen kommen fertig, aber zufrieden vom Platz. Sie stehen in einer Gruppe um ihren Trainer, der noch ein paar organisatorische Dinge anspricht. Danach ist das erste Kennenlernen beendet. Den 115-Facebook-Fans (BV Lünen 05 Frauenfußball) berichtete man danach von einem gelungenen Training. Die Spielerinnen werden dem nicht wiedersprechen.

In der kommenden Woche geht es am Dienstag, 17. Mai um 19 Uhr in die zweite Runde. Die Trainingsgruppe würde sich dann über weitere interessierte Spielerinnen freuen. Danach gibt es eine erzwungene Pause: Der BV Lünen baut in der Sommerpause um. Aus dem nicht sehr beliebten Asche-Spielfeld wird dann ein moderner Kunstrasen. Auf diesem treten die Damen dann ab August in der Kreisliga B an.

Diese soll auf lange Sicht aber nur der Beginn einer tollen Reise sein. Wir werden es gespannt verfolgen. Ihr hoffentlich auch!